Grenzerfahrung – Tag 3: Ruhige Wege zwischen zwei Ländern
Aktualisiert: 28. Okt.
Am Vorabend hatte ich noch über einen Ruhetag nachgedacht. Nach einer erholsamen Nacht sah die Welt schon anders aus. Ganz auf das Radfahren verzichten wollte ich nicht. Also entschied ich mich für einen Mittelweg: einige Stunden im Sattel, ohne mich gleich wieder auf eine lange Etappe festzulegen.
Aus diesem vorsichtigen Start wurde ein schöner Reisetag zwischen Deutschland und den Niederlanden. Vor allem die Strecke passte diesmal viel besser zu dem, was ich mir unter meiner Grenzerfahrung vorgestellt hatte.
Erst frühstücken und dann entscheiden
Ich ließ den Morgen ruhig angehen, sortierte meine Ausrüstung neu und packte die Taschen.
Gegen 8:30 Uhr verließ ich das Hotel und suchte mir ein Café zum Frühstücken.

Einen festen Zielort hatte ich noch nicht. Wie weit ich fahren wollte, sollte sich unterwegs zeigen.
Dabei spielte auch das Wetter eine Rolle. Für den Vormittag war kein Regen angekündigt, am Nachmittag sollten Schauer folgen. Mein Plan war entsprechend einfach: fahren, solange es gut ging, und möglichst vor dem Regen ein Hotel erreichen.
Nach dem anstrengenden Vortag fühlte es sich gut an, diese Entscheidung offenlassen zu können. Ich musste niemandem eine bestimmte Kilometerzahl beweisen.
Mal Deutschland und mal die Niederlande
Schon auf den ersten Kilometern merkte ich den Unterschied. Die Route führte über ruhige Wege und kleine Straßen. Immer wieder überquerte ich die Grenze, manchmal ohne es sofort zu bemerken. Häufig verrieten erst die Straßenschilder, in welchem Land ich gerade unterwegs war.
Stellenweise war ich vollkommen allein. Kein Auto, kein anderer Radfahrer und kaum ein Mensch weit und breit. Dann folgten wieder kleine Orte mit ihrem eigenen Charakter. Nach den langen Passagen neben großen Straßen war diese Abwechslung genau das Richtige.
Besonders auf den niederländischen Abschnitten fiel mir auf, wie selbstverständlich das Fahrrad zum Straßenbild gehörte. Die Radwege waren häufig breit und angenehm zu fahren. An manchen Kreisverkehren wurde der Radverkehr auf einer eigenen Spur herumgeführt. Das wirkte auf mich übersichtlich und vermittelte ein gutes Gefühl.
Ich konnte meinen Blick wieder häufiger auf die Umgebung richten. Die Navigation nahm weniger Raum ein, und damit wurde auch das Reisen selbst entspannter.
Noch vor dem Regen nach Winterswijk
Auf den letzten Kilometern wurde es trotzdem anstrengend. Der Wind frischte auf, dunkle Wolken zogen heran, und plötzlich schien sich die Strecke endlos hinzuziehen. Jetzt wollte ich doch möglichst schnell ankommen.
Das Timing passte. Gegen 16 Uhr erreichte ich mein Hotel in Winterswijk, bevor der Regen einsetzte. Ich brachte die Sachen aufs Zimmer, bereitete die Ausrüstung für den nächsten Tag vor und ruhte mich bei einem Kaffee aus.
Als ich später zum Einkaufen ging, begann es tatsächlich zu regnen. Auf dem Fahrrad hatte ich den Schauern entgehen können. Viel besser hätte ich die Ankunft nicht treffen können.
Das richtige Maß finden
Nach dem Essen war ich satt, müde und froh, im Trockenen zu sein. Den Tag wollte ich trotzdem noch für meinen Blog festhalten. Denn bei aller Freude über die schöne Strecke war mir auch klar geworden: Viel mehr wäre heute nicht gegangen.
Das musste ich mir ehrlich eingestehen. Im Moment waren möglichst lange Etappen kein sinnvolles Ziel. Für den nächsten Tag nahm ich mir deshalb vor, wieder ohne starre Kilometerplanung loszufahren und unterwegs zu entscheiden, wie weit ich fahren konnte und wollte.

Heute war die richtige Strecke wichtiger als eine möglichst lange Etappe.
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