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Grenzerfahrung – Tag 4: Sonne, offene Grenzen und Zeit für Gedanken

Autorenbild: Holger Brettschneider
Holger Brettschneider
18. Okt.
3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 28. Okt.

Ich hatte gut geschlafen, meine Sachen vernünftig gepackt und war bereit für den nächsten Tag.



Und dann zeigte sich tatsächlich die Sonne. Nach den vergangenen grauen Tagen veränderte das sofort die Stimmung. Also los: Schauen wir einmal, was der Tag bringen würde.

Von Winterswijk ging es durch den Achterhoek und weiter durch Twente in Richtung Bad Bentheim. Wieder lag die Grenze mehrfach auf meinem Weg. Sie war auf der Karte deutlicher zu erkennen als in der Landschaft.


Kleine Wege und viele Pferde


Kleine Straßen, gute Radwege, einzelne Bauernhöfe und viel Grün bestimmten den Vormittag. Immer wieder wechselte ich zwischen Deutschland und den Niederlanden. Die Strecke war angenehm, und zeitweise half sogar etwas Rückenwind.

Besonders auffällig waren die vielen Gestüte, Reiterhöfe und Pferdekoppeln. Pferde schienen auf beiden Seiten der Grenze fest zu dieser Landschaft zu gehören. Ich hatte Zeit, solche Einzelheiten wahrzunehmen. So machte das Unterwegssein wieder richtig Spaß.



Gegen 11 Uhr fand ich endlich ein geöffnetes Restaurant. Einen Bäcker oder ein Café zu entdecken, war erstaunlich schwierig gewesen. Rückblickend hätte ich mir den Besuch allerdings sparen können: Weder Essen noch Getränk überzeugten mich. Unter der sachlichen Überschrift „notwendige Kalorienzufuhr“ ließ sich die Pause trotzdem verbuchen.


Mit der Navigation vertrauter werden


Gegen Mittag näherte ich mich der Marke von 40 Kilometern. Langsam musste ich entscheiden, wie weit es heute noch gehen sollte und wie ich die weiteren Tage gestalten wollte.

Dann zogen dunkle, beinahe schwarze Wolken auf. Ich hoffte, dass der Regen an mir vorbeiziehen würde. Weitgehend tat er das auch, und ich konnte ohne größere Unterbrechung weiterfahren.

Mit kleineren Fehlern in der Streckenführung kam ich inzwischen besser zurecht. Wenn mir die vorgeschlagene Route nicht gefiel, suchte ich nach einer Alternative und probierte einen anderen Weg. Erst unterwegs zeigt sich, ob man mit einer Navigation wirklich umgehen kann.

Allein musste ich die Entscheidungen selbst treffen. Anschließend war ich natürlich auch mein eigener schärfster Kritiker.


Wenn die Ruhe die Wahrnehmung verändert


Nach vielen stillen Stunden fiel mir auf, wie empfindlich ich auf Lärm reagierte. Bei einer Pause saß eine Gruppe Mountainbiker in meiner Nähe. Die Unterhaltung kam mir ungeheuer laut vor.

In einer anderen Situation hätte ich vielleicht selbst dort gesessen und genauso viel erzählt. Nach den ruhigen Kilometern empfand ich das anders. Das sagte vermutlich mindestens so viel über meine eigene Stimmung aus wie über die Gruppe.

Auch die vielen Grenzübertritte beschäftigten mich. Aus meiner Kindheit kannte ich Grenzen noch ganz anders. Jetzt fuhr ich einfach weiter und bemerkte den Wechsel manchmal erst im Nachhinein. Für solche Gedanken blieb auf dem Rad überraschend viel Zeit.


Ankommen in Bad Bentheim


Über Losser und De Lutte näherte ich mich wieder Deutschland. Mit Gildehaus begann der letzte Abschnitt nach Bad Bentheim. Schon von Weitem prägte die Burg auf ihrem Höhenrücken die Gegend. Nach den überwiegend flachen Kilometern waren die Anstiege deutlich zu spüren.

Gegen 17 Uhr erreichte ich mein Hotel. Nach kurzem Suchen war ich am richtigen Haus, und der erste Eindruck gefiel mir: ein sauberes Einzelzimmer und ein Haus, das mit Liebe gestaltet wirkte.

Ganz beendet war der Tag noch nicht. Ich fuhr zum nahe gelegenen Edeka und versorgte mich für den Abend und die nächste Etappe. Später rückte die weitere Reiseplanung in den Mittelpunkt. Die Prognose für Sonntag wurde schlechter. Vielleicht würde daraus ein Pausentag werden. Noch musste ich das nicht entscheiden.


Die Reise bekam ihren Rhythmus – auch wenn der Plan für morgen noch offen war.





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