top of page

Grenzerfahrung – Tag 5: Ein schöner Vormittag und ein langer Weg nach Meppen

Autorenbild: Holger Brettschneider
Holger Brettschneider
18. Okt.
3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 28. Okt.

Für diesen Tag hatte ich mir eine überschaubare Etappe vorgenommen. Rund 75 Kilometer bis Twist, am Nachmittag ankommen und möglichst vor dem Regen im Hotel sein. Die Route war ausgearbeitet, eine mögliche Unterkunft gefunden.

Am Ende landete ich in Meppen. Zwischen dem angenehmen Vormittag und der Ankunft um 17:30 Uhr lagen einige zusätzliche Kilometer und eine weitere Lektion über die Planung einer Radreise.


Aufbruch mit Rückenwind


Um 9:40 Uhr fuhr ich los. Besonders gut hatte ich nicht geschlafen, dafür aber ordentlich gefrühstückt. Es war stark bewölkt und trocken. Kräftige Böen kamen überwiegend aus Südwesten und halfen mir heute häufiger, als dass sie mich bremsten.

Schon nach wenigen Minuten hielt ich wieder an. Es war deutlich wärmer als gedacht. Also zog ich mich um und fuhr ab 9:59 Uhr in kurzer Hose und leichter Windweste weiter. Mal sehen, wie lange das gutgehen würde.

Auch die weitere Reise beschäftigte mich. Wilhelmshaven würde ich wahrscheinlich nicht mehr erreichen. Vielleicht wäre Norden der richtige Ort für die Rückfahrt. Entschieden war das noch nicht.


Der Körper und die Gepäckfrage


Meine Erkältung war noch nicht ganz verschwunden. Der Popo meldete sich, und die Beine fühlten sich schwer an. Außerdem bemerkte ich eine ungewohnte Belastung im Oberkörper. Ob die andere Sitzposition und der breite Lenker dazu beitrugen, konnte ich nicht sicher sagen. Klar war nur: Die Tage auf dem Fahrrad hinterließen ihre Spuren.

Mein Gepäck war inzwischen ebenfalls zum Gesprächsthema geworden. Zu den gut gemeinten Hinweisen, was ich alles hätte zu Hause lassen können, fiel mir eine nicht ganz ernst gemeinte Antwort ein: Etwa das Schlauchboot? Und was wäre dann bei einer Springflut? Den Außenbordmotor gleich mit weglassen und selbst paddeln? Auch Brennholz und Langstielaxt ließen sich bei einem Wintereinbruch bestimmt rechtfertigen.

So gesehen war das Einsparen natürlich völlig unmöglich. Die ernsthafte Bestandsaufnahme musste bis nach der Reise warten.


Große Höfe und kleine Rastplätze


Am Vormittag fuhr ich durch eine Landschaft, in der Platz kein knappes Gut zu sein schien. Große Häuser, weitläufige Höfe und gepflegte Gärten wechselten sich ab. Besonders gefielen mir die reetgedeckten Häuser. Fast jedes hatte seinen eigenen Charakter.

Die landwirtschaftlichen Betriebe beeindruckten ebenfalls: große Stallungen, riesige Maschinen und entsprechend große Hofflächen. Auf vielen Dächern lagen Solaranlagen, daneben entdeckte ich auch Freiflächenanlagen.

Erfreulich waren die kleinen Rastmöglichkeiten. Manche waren privat eingerichtet und funktionierten auf Vertrauensbasis. Getränke und kleine Speisen standen bereit, teilweise sogar Softeis zum Selberzapfen. Ähnliches hatten wir schon auf einer Tour am Weser-Radweg erlebt. Auf einer langen Etappe ist so etwas eine ausgesprochen willkommene Form der Gastfreundschaft.

Und noch etwas bemerkte ich: Wer viele Stunden allein unterwegs ist, beginnt irgendwann, häufiger mit sich selbst zu sprechen. Geht das eigentlich nur mir so?


Nordhorn und eine Planänderung


In Nordhorn machte ich eine Kaffeepause. Anschließend begann es leicht zu schauern. Wenig später erreichte ich das Kloster Frenswegen. Die weitläufige Anlage strahlte Ruhe aus. Dort wäre ich gern länger geblieben.



Inzwischen hatte ich allerdings ein anderes Problem. Das vorgesehene Hotel in Twist war ausgebucht. Während ich weiterfuhr, übernahm Gabi zu Hause die Suche nach einer Alternative. Schnell wurde klar: Der Tag würde länger werden als geplant.


Wenn aus Reisen Kilometerarbeit wird


Nach dem Kloster änderte sich der Charakter der Strecke. Lange Passagen führten unmittelbar neben stark befahrenen Landstraßen entlang.


Radweg des Grauens. Klar, in Deutschland
Radweg des Grauens. Klar, in Deutschland

Der Radweg war zwar getrennt, der Verkehrslärm blieb trotzdem. Die Ruhe des Vormittags war vorbei.

Genau das hatte mich bereits mehrfach gestört. Für die Fortsetzung meiner Deutschlandrunde musste ich die Strecken gründlicher prüfen und ruhigere Alternativen suchen. Dass es auch anders ging, zeigten die Abschnitte am Emsradweg zwischendurch.

Erst gegen 17:30 Uhr erreichte ich mein Hotel in Meppen. Das Abendessen war ausgezeichnet. Trotzdem merkte ich, dass ich nicht jeden Abend allein in einem Hotelrestaurant sitzen wollte.


Der Tag blieb zwiespältig: ein schöner Vormittag mit Rückenwind und kleinen Entdeckungen, danach eine zähe Fahrt neben lauten Straßen. Beides gehörte nun zu dieser Reise.


Heute wusste ich wieder etwas genauer, was ich bei der nächsten Tour anders planen würde.





Passende Reise-Exkurse

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen

Kommentare

Mit 0 von 5 Sternen bewertet.
Noch keine Ratings

Rating hinzufügen
bottom of page