Grenzerfahrung – Tag 6: Gegenwind und ein Häuschen für mich allein
Aktualisiert: 28. Okt.
Nach einer guten Nacht stand ich gegen sieben Uhr auf und saß um halb acht als Erster beim Frühstück. Das Buffet ließ kaum Wünsche offen. Selbst Quark und Milchreis waren dabei. Ein guter Anfang für einen Tag, der mich von Meppen zurück in die Niederlande führen sollte.
Für den Abend hatte ich eine ungewöhnliche Unterkunft bei Wedde gefunden. Außerdem nahm der Abschluss meiner Reise Gestalt an: Am Mittwoch wollte ich von Norden mit dem Zug nach Düsseldorf zurückfahren.
Auch das Packen braucht Routine
Wie anstrengend der Vortag gewesen war, merkte ich an meinem Material. Am Abend hatte ich mich praktisch um nichts mehr gekümmert. Jetzt musste ich nacharbeiten, sortieren und einige Dinge korrigieren.
Auf einer Radreise braucht eben nicht nur das Fahren Übung. Auch die Abläufe davor und danach müssen sich einspielen. Bei mir war da noch Luft nach oben.
Um 9:40 Uhr saß ich schließlich auf dem Fahrrad. Lange führte mich der Weg direkt am Kanal entlang. Ruhig, flach und angenehm zu fahren: genau die Art von Strecke, die ich gesucht hatte. Nur der Wind wurde nach und nach stärker.
Am Wasser und mitten im Arbeitsalltag
Der Kanal zeigte unterschiedliche Seiten. Auf den stillen Abschnitten war er für mich vor allem eine schöne Radroute. Im Hafengebiet bei Haren und Emmeln sah das anders aus. Industrieanlagen und Betrieb am Wasser erinnerten daran, dass hier auch gearbeitet wurde – selbst an einem Sonntag.
Gegen elf Uhr kam eine Tankstelle mit Shop gerade recht. Ich wollte am Abend in meiner abgelegenen Unterkunft nicht ohne Essen dasitzen. Also versorgte ich mich. Das erste Problem war gelöst.


Bei einem Kaffee kümmerte ich mich um das nächste: die Routenänderung in Komoot. Bisher hatte ich das auf dem Handy ziemlich mühsam gefunden. Diesmal nahm ich mir etwas Zeit und kam überraschend gut zurecht. Ich passte die Strecke an. Die Zusammenarbeit zwischen Komoot und Garmin blieb dagegen ein Thema für zu Hause.
Klostermauern und rheinische Standhaftigkeit
Gegen 13:40 Uhr erreichte ich die Klosteranlage in Ter Apel. Nach Wind, Navigation und vielen Kilometern war dieser Ort ein schöner Kontrast. Ich nahm mir Zeit für einen längeren Blick auf die alten Mauern.
Dann brauchte ich etwas zu essen. Erst gegen 14:40 Uhr wurde ich in Sellingen fündig. Dafür verließ ich bewusst meine Route und fuhr durch den Ort. Es lohnte sich: Ein Café hatte geöffnet, und ich saß draußen bei Kaffee und Kuchen.
Dabei merkte ich, wie weit ich inzwischen nach Norden gekommen war. Zehn Deutsche kamen vorbei, und zehnmal hieß es: „Moin!“
Meine Antwort blieb: „Hallo!“
Ein Rheinländer muss auch unter schwierigen Bedingungen Haltung bewahren.
Flach heißt noch lange nicht leicht
Danach wurden die Kilometer zäh. Der Wind stand nun kräftig entgegen. Auf der Karte wirkte die Strecke harmlos, aber auf dem Fahrrad sah das anders aus. Jeder Kilometer kostete mehr Kraft und vor allem mehr Zeit.

Irgendwann erreichte ich meine Unterkunft bei Wedde. Ein gewöhnlicher Campingplatz war es nicht. Auf dem Gelände standen kleine Holzhäuschen und umgebaute Wohnwagen. Ich wurde freundlich empfangen, bekam alles gezeigt und bezog mein eigenes Häuschen.
Offenbar war ich an diesem Abend der einzige Reisende dort. Nach dem langen Tag tat mir die Ruhe gut. Ich machte mir etwas zu essen, telefonierte mit der Familie und plante die nächste Etappe.
Morgen soll das Meer kommen
Das Hotel in Ditzum war gebucht. Meine Planung zeigte für den nächsten Tag knapp 90 Kilometer über die Gegend von Winschoten in Richtung Dollart an. Dass diese Zahl nicht stimmen würde, wusste ich an diesem Abend noch nicht.
Eigentlich wollte ich längst schlafen. Dann beschäftigten mich doch noch die Strecke und ein Blick auf die Wahlergebnisse. Kurz vor zehn machte ich schließlich das Licht aus.
Morgen wollte ich endlich das Meer erreichen.
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