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Grenzerfahrung – Tag 7: Dem Wasser folgen und das Meer erreichen

Autorenbild: Holger Brettschneider
Holger Brettschneider
21. Okt.
3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 28. Okt.

Als ich aufwachte, war es bereits sieben Uhr. Wirklich gut hatte ich nicht geschlafen. Rund zwei Stunden war ich wach gelegen. An den Schlafsack musste ich mich erst wieder gewöhnen; es war auf dieser Reise meine erste Nacht darin gewesen.

Dafür zeigte sich der Morgen freundlich. Die Sonne schien, es war angenehm warm, und das Ziel stand fest: von Wedde nach Ditzum, an den Dollart und damit ans Meer.


Frühstück erst nach fünfzehn Kilometern


Bis ich auf dem Fahrrad saß, war es fast 9:45 Uhr. Schlafsack, Kleidung und all die Kleinigkeiten mussten wieder in die Taschen. Diesmal war beim Ein- und Auspacken mehr zu tun gewesen als im Hotel.

Nun brauchte ich ein Frühstück. In der ersten größeren Ortschaft fand ich keinen geöffneten Bäcker. Überhaupt war wenig offen. Erst gegen 10:55 Uhr und nach gut 15 Kilometern entdeckte ich ein Geschäft mit Kaffee und etwas zu essen.

Es gab Ciabatta mit Brie und Erdbeerkuchen mit Sahne. Kein klassisches Frühstück, aber inzwischen war mir das ziemlich gleichgültig. Hauptsache, es schmeckte und machte satt.

Als ich weiterfuhr, war es nach 11:30 Uhr. Auf dem Tacho standen erst etwas mehr als 15 Kilometer, laut Planung sollten es insgesamt fast 90 werden. Das Hotel war gebucht. Zum Gegenwind kam langsam ein unangenehmer Blick auf die Uhr.


Immer am Wasser entlang


Die Landschaft gefiel mir ausgesprochen gut. Über längere Abschnitte folgte ich der Westerwoldse Aa nach Norden. Das Wasser führte durch die weite Landschaft Groningens in Richtung Dollart.

Manchmal wirkte der Fluss eher wie ein Kanal. Immer wieder konnte ich hinter einem Deich fahren und fand dort etwas Schutz vor dem Wind. Im Grunde musste ich heute nur dem Wasser folgen, immer weiter Richtung Meer.



Der Wind blieb trotzdem zuverlässig. Mal kam er schräg von vorn, mal direkt von vorn. An seiner Stärke änderte sich wenig.


Aus neunzig Kilometern wurden gut fünfzig


Mit der Route stimmte erneut etwas nicht. Einzelne Abschnitte führten im Kreis oder endeten plötzlich. Während einer Pause fiel mir eine besonders merkwürdige Schleife auf: Ich sollte dieselbe Strecke erst in die eine und dann wieder in die andere Richtung fahren.

Ich prüfte die Planung genauer. Und plötzlich hatte ich einen ganz anderen Tag vor mir.

Es waren nicht knapp 90 Kilometer bis Ditzum, sondern nur etwas mehr als 50. Die vermeintlich lange Etappe war durch unnötige Umwege in meiner Planung entstanden. Innerhalb weniger Minuten verschwand der Zeitdruck.

Für den nächsten Abschnitt meiner Deutschlandumrundung nahm ich mir vor, die Tagesrouten zu Hause genauer zu kontrollieren. Solche Fehler kosteten unterwegs unnötig Zeit und Nerven.


Zeit haben in Ditzum


Unterwegs gönnte ich mir noch ein Stück Kuchen. Gegen 15 Uhr erreichte ich Ditzum, wurde freundlich empfangen und bekam ein nettes Zimmer.


Vor allem hatte ich nun Zeit. Damit hatte ich am Vormittag nicht gerechnet. Ich duschte, ruhte mich aus und schlief sogar noch ein wenig.


Am Abend überlegte ich, essen zu gehen. Keines der Restaurants sprach mich wirklich an. Auch die Vorstellung, wieder allein an einem Restauranttisch zu sitzen, reizte mich nicht.


Also kaufte ich Lebensmittel und holte den Gaskocher heraus.


Auf der großen, windgeschützten Hotelterrasse kochte und aß ich draußen in aller Ruhe. Für diesen Abend war das genau richtig.


Am Meer angekommen


Während ich dort saß, wurde mir bewusst, was ich an diesem Tag erreicht hatte. Von Wedde aus war ich dem Wasser durch Groningen gefolgt, bis an den Dollart und schließlich nach Ditzum. Nach den vergangenen Tagen war das ein wichtiger Moment.





Morgen sollte die Küste den ganzen Tag bestimmen. Heute durfte ich erst einmal angekommen sein.


Das Meer war erreicht. Und ich hatte sogar Zeit, mich darüber zu freuen.





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