Grenzerfahrung – Tag 9: Heimfahrt mit Lust auf die nächste Etappe
Aktualisiert: 28. Okt.
An diesem Morgen stellte ich sicherheitshalber den Wecker. Meistens brauchte ich ihn nicht. Aber ausgerechnet dann zu verschlafen, wenn man einen Zug erreichen musste, wäre ein ziemlich unpassender Abschluss gewesen.
Ich war rechtzeitig wach, setzte Kaffee auf, duschte und machte mich fertig. Beim Frühstück gab es reichlich Auswahl – diesmal sogar Quark. Gefühlt 350 Gramm davon wurden meine.
Ein Morgen ohne neue Tagesroute
Ich hatte Zeit. Kein hektisches Packen, keine neue Radetappe, deren Länge ich noch einmal überdenken musste. Stattdessen saß ich beim Frühstück und machte mir Gedanken über meinen Blog. Wie wollte ich von meinen Reisen erzählen? Stoff hatte ich in den vergangenen Tagen jedenfalls genug gesammelt.
Nach dem Auschecken packte ich das Rad und fuhr die wenigen Kilometer zum Bahnhof Norden. Dabei kam dieses wehmütige Gefühl auf. Ehrlich gesagt wäre ich gern einfach weitergefahren.
Die Abläufe hatten sich gerade eingespielt: morgens packen, aufs Rad steigen und schauen, was der Tag bringen würde. Nun sollte damit erst einmal Schluss sein.
Zurücklehnen statt gegen den Wind treten
Am Bahnhof war ich früh genug. Der Zug kam pünktlich. Fahrrad, Taschen und der ganze Rest mussten untergebracht werden, ein paar logistische Fragen waren noch zu lösen.
Dann stand das Rad an seinem Platz, und ich saß im Zug nach Düsseldorf.

Die Fahrt verlief unkompliziert. Etwas Verspätung kam zusammen, ansonsten konnte ich sitzen bleiben und die Strecke genießen. Nach den vergangenen Tagen war das fast ungewohnt: kein Gegenwind, keine Navigation und keine Frage nach dem nächsten Stück Weg.
Dafür blieb Zeit, die Reise im Kopf noch einmal vorbeiziehen zu lassen. Unterwegs hatte ich manches noch gar nicht richtig verarbeitet. Auf dem Fahrrad war zwar Raum für Gedanken gewesen, aber jeder Tag hatte auch aus Essen, Fahren, Unterkunft, Material und Planung bestanden.
Jetzt musste ich für einige Stunden nichts organisieren.
Die letzten elf Kilometer
Gegen 14 Uhr erreichte ich mit etwas Verspätung Düsseldorf. Ganz vorbei war die Reise noch nicht. Gute elf Kilometer trennten mich von zu Hause.
Ich wollte sie nicht einfach möglichst schnell hinter mich bringen. Deshalb verband ich die Fahrt mit vertrauten Orten. Ich fuhr bei Lisa vorbei, durch den Volksgarten und schließlich über meine „Dienststrecke“.
Gerade diese ganz gewöhnlichen Wege machten deutlich, dass ich wieder da war. Dann bog ich in meine Straße ein.
24,1 Kilogramm und eine Erkenntnis
Zu Hause folgte eine kleine Bestandsaufnahme. Ich wog die komplette mitgeführte Ausrüstung einschließlich der gefüllten Wasserflaschen.
24,1 Kilogramm.

Eine ganze Menge. Nach all den Diskussionen über mein Packverhalten hatte ich nun eine konkrete Zahl. Für die nächsten Touren war da sicherlich noch Luft – besser gesagt: Gewicht – einzusparen.
So endete dieser erste Abschnitt meiner Deutschlandumrundung auf bekannten Straßen in Düsseldorf. Der Gedanke, noch weiterfahren zu wollen, war damit nicht verschwunden. Ich war wieder zu Hause und hatte gleichzeitig Lust auf die nächste Etappe.
Die Reise war zu Ende. Meine Lust aufs Radreisen war größer geworden.


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