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Grenzerfahrung - Tag 1: Einfach losfahren

Autorenbild: Holger Brettschneider
Holger Brettschneider
16. Okt.
4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 28. Okt.




Wann beginnt man eine solche Tour? Wenn das Material vollständig erprobt ist, die Vorbereitung stimmt und auch das Wetter mitspielt?


Es gibt viele gute Gründe, den Start noch einmal hinauszuschieben. Doch wenn man darauf wartet, dass wirklich alles passt, fährt man wahrscheinlich nie los. Genau so ging es mir in den vergangenen Tagen. Vieles war noch nicht fertig, manches entsprach noch nicht meinen Vorstellungen. Irgendwann sagte ich mir deshalb: Ich fahre jetzt einfach los.


Reisevorbereitung: Unterwegs dazulernen

Was noch nicht passt, kann ich unterwegs verbessern. Die erste Woche verstehe ich ohnehin als Trainings- und Erfahrungswoche. Ich möchte herausfinden, wie ich mit dem Rad, dem Gepäck und den täglichen Etappen zurechtkomme – und natürlich auch, ob es mir überhaupt gefällt, alleine zu reisen.


Wenig ist anders :-)
Wenig ist anders :-)

Aufbruch mit kleinen Hindernissen

Heute war es schließlich so weit. Gegen 8:45 Uhr hatte ich alles gepackt, zu Hause noch einen letzten Kaffee getrunken und war bereit zur Abfahrt.


Keine zwei Kilometer später gab es bereits die ersten Schwierigkeiten mit meinem neuen Garmin. Ich hatte das Gerät Anfang des Jahres gekauft, es wegen meines Unfalls aber noch nicht richtig ausprobieren können. Doch mein Motto für diese Reise stand fest: Problem lösen, kurz neu sortieren – und weiterfahren.


Raus aus Düsseldorf, hinein in die Niederlande

Ich folgte einer mit ChatGPT geplanten Route, die ich anschließend in Komoot übertragen hatte. Das erste große Ziel bestand darin, Düsseldorf zu verlassen und möglichst direkt die niederländische Grenze zu erreichen. Ehrlicherweise hatte ich mir die Strecke vor dem Start gar nicht mehr so genau angesehen. Dadurch wurde die erste Etappe fast zu einer kleinen Überraschungsfahrt.


Zunächst führte mich die Route noch durch vertraute Gegenden. Ich überquerte den Rhein, fuhr beinahe an der ZA vorbei und kam auch fast an der Praxis von Dr. von Lennep vorbei. Nach und nach reihten sich die bekannten Orte wie Perlen an einer Schnur auf. Es ging weiter vorbei an der Skihalle Neuss in Richtung Mönchengladbach. In Kleinenbroich legte ich meine erste richtige Pause ein.


Die ersten rund 70 Kilometer konnten mich landschaftlich allerdings nicht wirklich überzeugen. Zwar verlief die Strecke überwiegend auf Radwegen, doch lagen diese häufig unmittelbar neben breiten und stark befahrenen Straßen. Sicher und zweckmäßig war das durchaus – besonders reizvoll war es jedoch nicht. Für eine Auftaktetappe, bei der es zunächst darum ging, zügig aus dem Ballungsraum herauszukommen, erfüllte die Route dennoch ihren Zweck.


Start und Ende der Grenzerfahrung


Nach ungefähr 71 Kilometern erreichte ich die niederländische Grenze.

Ein Schild hätte ich dafür kaum gebraucht: Praktisch im selben Moment begann ein breiter, komfortabler und vom Autoverkehr getrennter Radweg. Der Unterschied war deutlich zu spüren. Manches machen unsere niederländischen Nachbarn beim Radverkehr schlicht besser.








Gewitter im Anmarsch – der Plan ändert sich

Von dort fuhr ich weiter in Richtung Herkenbosch. Dort lag der von ChatGPT vorgeschlagene Campingplatz und damit mein ursprünglich geplantes Ziel für diesen ersten Tag. Ich erreichte den Platz auch wie vorgesehen, entschied mich dann jedoch bewusst gegen die Übernachtung.


Für den späteren Abend und die Nacht waren in der Region kräftige Regenfälle und Gewitter angekündigt. Deshalb wollte ich das noch gute Wetter nutzen und bereits einen Teil der zweiten Tagesetappe zurücklegen um dann befestigt zu schlafen.


Nach einer Pause mit Eis und Kaffee setzte ich meine Fahrt fort.


Da ich nun nicht mehr auf dem Campingplatz übernachten würde, buchte ich zum ersten Mal in meinem Leben ein Airbnb-Apartment. Die Buchung funktionierte problemlos, und so fuhr ich guten Mutes weiter in Richtung meiner Unterkunft.


Am Ende des Tages standen rund 109 Kilometer auf dem Tacho. Damit hatte ich nicht nur meine erste Etappe geschafft, sondern bereits einige Kilometer des zweiten Tages vorweggenommen.





Meine erste Airbnb-Erfahrung

Vor dem Haus angekommen, klingelte ich. Niemand öffnete. Ich schrieb der Vermieterin und versuchte anschließend, sie telefonisch zu erreichen – ebenfalls ohne Erfolg. Da es mittlerweile 18 Uhr war und ich noch etwas einkaufen musste, fuhr ich zunächst weiter zum nächsten Einkaufsladen.


Als ich zurückkam, stand die Tür zum Hof offen. Erleichtert schob ich mein Rad hinein und fand einen schönen Innenhof vor – nur leider weiterhin keinen Menschen. Auch weitere Anrufe blieben unbeantwortet. Gegen 18:30 Uhr verlor ich schließlich die Geduld. Mein erstes Airbnb-Erlebnis schien nicht besonders erfolgreich zu enden.


Also öffnete ich Booking.com und suchte kurzfristig nach einem Hotel. Glücklicherweise war nur gut zwei Kilometer entfernt noch ein Zimmer frei. Ich buchte es sofort und machte mich wieder auf den Weg.


Das Zimmer lag ebenerdig, und mein Fahrrad durfte direkt neben meinem Bett stehen.

Auch das war eine neue, aber durchaus praktische Erfahrung. Nachdem ich im nahe gelegenen Getränkemarkt noch etwas zu trinken besorgt hatte, meldete sich schließlich doch die Airbnb-Vermieterin. Sie entschuldigte sich mehrfach: Sie hatte sich schlicht im Tag vertan.


Airbnb bekommt von mir noch eine zweite Chance. Mal sehen, wie es beim nächsten Versuch läuft.



Nicht perfekt. Aber losgefahren.


Nach 109 Kilometern, einigen technischen Problemen, einer spontanen Planänderung und einer ungeplanten Unterkunftssuche war ich froh, endlich angekommen zu sein. Gegessen, geduscht und müde lag ich schließlich im Bett und dachte über den ersten Tag und diesen Blogbeitrag nach.


Für den nächsten Tag nehme ich mir vor, mich stärker auf die Reise selbst einzulassen: weniger mit Garmin, Buchungen und anderen technischen Dingen beschäftigt zu sein – und mehr von dem wahrzunehmen, was unterwegs geschieht.


Der Anfang war nicht perfekt. Aber ich bin losgefahren. Und genau darum ging es.



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